SPD will Bau­en mit gro­ßer Pla­nungs­re­form bun­des­weit beschleunigen

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on will nach dem Ver­feh­len des Ziels von 400.000 neu­en Woh­nun­gen im Jahr 2022 mit umfas­sen­den Pla­nungs­er­leich­te­run­gen mehr Wohn­raum in Deutsch­land schaf­fen. Auch Infra­struk­tur­pro­jek­te sol­len durch weni­ger Kla­ge­mög­lich­kei­ten und gestraff­te Ver­fah­ren viel schnel­ler als bis­her mög­lich wer­den. „Alles muss schnel­ler wer­den, man­ches aber beson­ders schnell. Des­halb brau­chen wir einen Zukunfts­plan, in dem wir prio­ri­tä­re Pro­jek­te defi­nie­ren und Expe­ri­men­tier­räu­me schaf­fen”, heißt es einer Beschluss­vor­la­ge für die Klau­sur der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on am kom­men­den Don­ners­tag, über die die „Süd­deut­sche Zei­tung” in ihrer Mon­tag­aus­ga­be berichtet. 

Ein Bau­an­trag soll künf­tig rein digi­tal gestellt wer­den kön­nen; die Lan­des­bau­ord­nun­gen sol­len bun­des­weit ver­ein­heit­licht und das Bau­en durch ein­heit­li­che Bau­mo­du­le for­ciert wer­den: „Gemein­sam mit den Bun­des­län­dern wer­den wir dafür Sor­ge tra­gen, dass bei modu­la­rem und seri­el­lem Bau­en und Sanie­ren nicht 16 ver­schie­de­ne Ver­fah­ren (…) durch­lau­fen wer­den müs­sen.” Um gera­de in den Innen­städ­ten schnel­ler mehr neu­en Wohn­raum zu schaf­fen, sol­len zum Bei­spiel Dach­auf­sto­ckun­gen ver­stärkt ohne neue Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren mög­lich wer­den, das soll auch für die Erhö­hung von Mobil­funk­mas­ten gel­ten. Der Sechs-Punk­te Plan steht unter dem Mot­to „Mehr Tem­po für Zusam­men­halt und Zukunft”. Bun­des­weit sol­len Vor­ha­ben, „die einen ein­deu­tig CO2-redu­zie­ren­den Effekt haben und Pro­jek­te, die drän­gen­de Pro­ble­me im Ver­kehrs­be­reich lösen, wie Brü­cken­bau­ten und ande­re Inge­nieur­bau­wer­ke” vor­ran­gig vor ande­ren Pro­jek­ten behan­delt wer­den. Bei wich­ti­gen Tunnel‑, Brü­cken oder Schleu­sen-Moder­ni­sie­rungs­pro­jek­ten soll im Rah­men des EU-Rechts auf erneu­te Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren mit Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung ver­zich­tet wer­den. „Die Zei­ten­wen­de prägt nicht nur die Inter­na­tio­na­le Ord­nung. Struk­tur­wan­del und der Schutz des Kli­mas sind Vor­aus­set­zung für ein star­kes Deutsch­land und sozia­les Leben”, sag­te SPD-Frak­ti­ons­chef Rolf Müt­zenich der SZ. Als jüngs­te Posi­tiv­bei­spie­le wer­den die schnel­le Geneh­mi­gung und der Bau von Flüs­sig­gas-Ter­mi­nals und die Tes­la-Fabrik in Bran­den­burg genannt. Um beim Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien schnel­ler vor­an­zu­kom­men, soll es weit kür­ze­re Fris­ten zur Flä­chen­aus­wei­sung für Wind­rä­der an Land geben. Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen sol­len der gesetz­li­che Stan­dard beim Haus­bau wer­den. Ein Zusam­men­spiel aus Solar­an­la­gen auf dem Dach, Wär­me­pum­pen und E‑Autos soll die Ener­gie-Aut­ar­kie ver­stär­ken und die Net­ze ent­las­ten. „Sol­che Gesamt­lö­sun­gen sol­len vor­ran­gig geför­dert wer­den.” Kern des SPD-Plans ist es, schnel­le­re Pla­nungs­ver­fah­ren auf allen Ebe­nen zu errei­chen, von einem Tur­bo ist die Rede. „Soll­te in den kom­men­den Mona­ten kei­ne Eini­gung im Rah­men des Bund-Län­der-Pakts zur Pla­nungs­be­schleu­ni­gung erzielt wer­den, muss der Bund inner­halb sei­ner gesetz­li­chen Zustän­dig­kei­ten ambi­tio­nier­te recht­li­che Vor­ga­ben auf den Weg brin­gen”, droht die SPD-Frak­ti­on mit einem Allein­gang des Bun­des. Mit Blick auf Kla­gen etwa von Umwelt­ver­bän­den wird betont, dass man die­se Mög­lich­kei­ten stark ein­schrän­ken will: „Bei Kla­gen gegen ein­zel­ne Pla­nun­gen muss künf­tig im Ein­klang mit EU-Recht eine regio­na­le Betrof­fen­heit nach­ge­wie­sen wer­den.” Kommt es zu erfolg­rei­chen Kla­gen, sol­len Media­ti­ons- und Schlich­tungs­ver­fah­ren finan­zi­ell, per­so­nell und struk­tu­rell von Bun­des­sei­te unter­stützt wer­den, Belan­ge von Natur- und Arten­schutz sol­len ein­ge­schränkt wer­den. „Rechts­strei­tig­kei­ten dür­fen künf­tig nicht mehr dazu füh­ren, dass Ver­fah­ren über Jah­re blo­ckiert oder voll­kom­men neu begon­nen wer­den müs­sen”, betont die SPD-Fraktion.

Foto: Bau­stel­le, über dts Nachrichtenagentur

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