ADAC: Ver­kehrs­club lehnt auto­freie Sonn­ta­ge ab

Fahrradstraße - Friesenwall - Eröffnung - Henriette Reker - Köln-Altstadt-NordFoto: Henriette Reker eröffnet symbolisch die Friesenwall-Fahrradstraße (Köln-Altstadt), Urheber: Stadt Köln

In der Dis­kus­si­on um Ener­gie­ein­spa­run­gen im Zuge des Ukrai­ne-Krie­ges lehnt der Auto­mo­bil­club ADAC auto­freie Sonn­ta­ge ab.

„Ich glau­be nicht, dass es Sonn­tags­fahr­ver­bo­te braucht, zumal eine Mehr­heit sie ablehnt”, sag­te ADAC-Prä­si­dent Chris­ti­an Rei­ni­cke den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Diens­tag­aus­ga­ben). Nach zwei Jah­ren Pan­de­mie sei es der fal­sche Weg, nun mit wei­te­ren Ver­bo­ten zu kom­men, führ­te Rei­ni­cke aus. Sonn­tags­fahr­ver­bo­te sei­en „rei­ne Sym­bol­po­li­tik”, sag­te Rei­ni­cke und ver­wies auf die 1970er Jah­re, als die Leu­te ihre Fahr­ten auf den Sams­tag vor­ge­zo­gen hät­ten. 1973 hat­te es vier auto­freie Sonn­ta­ge in Deutsch­land gegeben.

Um den Sprit­ver­brauch zu sen­ken, rief Rei­ni­cke zum lang­sa­me­ren Fah­ren auf. „Beim Sprit­ver­brauch hilft lang­sa­me­res Fah­ren sicher”, sag­te der ADAC-Prä­si­dent. Zur Fra­ge nach einem Tem­po­li­mit von 130 Stun­den­ki­lo­me­tern woll­te sich Rei­ni­cke nicht fest­le­gen: „Der­zeit ist eine leich­te Mehr­heit dafür und eine kaum gerin­ge­re Grup­pe dage­gen. Solan­ge die Ver­hält­nis­se so knapp sind, wird sich der ADAC nicht für eine Sei­te posi­tio­nie­ren”. Rei­ni­cke zeig­te sich aber über­rascht, dass das Tem­po­li­mit nach der Bun­des­tags­wahl nicht ein­ge­führt wur­de. Die meis­ten Auto­fah­rer wür­den bereits ver­su­chen, Sprit zu spa­ren, sag­te Rei­ni­cke. „Aller­dings gibt es auch eine Grup­pe, denen es völ­lig egal ist, ob sie mehr Sprit in die Luft pus­ten. Das aller­dings ist die abso­lu­te Min­der­heit”, sag­te der ADAC-Prä­si­dent. Die Aus­sa­ge von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wis­sing, es gebe nicht genug Schil­der für ein Tem­po­li­mit, hält Rei­ni­cke für ver­fehlt: „An Schil­dern soll­te es in der Pra­xis wohl kaum man­geln”. Aller­dings stel­le sich die Fra­ge, wie man rund 18.000 Kilo­me­ter zusätz­lich kon­trol­lie­re. „Den Hard­core-Teil der Auto­fah­rer wür­de es wahr­schein­lich auch nicht inter­es­sie­ren, wenn es ein Tem­po­li­mit mit 130 Stun­den­ki­lo­me­tern geben wür­de”, sag­te Reinicke.

Von dem geplan­ten 9‑Eu­ro-Ticket im Rah­men des Ent­las­tungs­pa­kets erhofft sich der ADAC, dass Auto­fah­rer den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr stär­ker als bis­her nut­zen. „Das 9‑Eu­ro-Ticket ist eine super Sache”, sag­te Rei­ni­cke den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe. Es sei „durch­aus zu wün­schen, dass eine hof­fent­lich gute Erfah­rung mit dem Öffent­li­chen Ver­kehr den ein oder ande­ren Auto­fah­rer über­zeugt.” Für die Mobi­li­tät der Men­schen brau­che es „attrak­ti­ve Model­le”, führ­te Rei­ni­cke aus. Der ADAC set­ze sich nicht nur für das Auto, son­dern für die Mobi­li­tät als Gan­zes ein.

Die Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung, um Ver­brau­cher von den stei­gen­den Kos­ten in Fol­ge des Krie­ges in der Ukrai­ne zu ent­las­ten, bewer­te­te Rei­ni­cke posi­tiv. „Es ist rich­tig, den Men­schen zu signa­li­sie­ren, dass die Poli­tik ihre Pro­ble­me wahr­nimmt”, sag­te der ADAC-Prä­si­dent. Zugleich müs­se man sich auf dau­er­haft höhe­re Prei­se von fos­si­len Brenn­stof­fen ein­stel­len. Der Staat müs­se dazu bei­tra­gen, dass jeder mobil blei­ben kön­ne. Bei den Abga­ben müs­se sich der Staat stär­ker an der CO2-Ver­mei­dung aus­rich­ten, for­der­te Rei­ni­cke. Die drei­mo­na­ti­ge Absen­kung der Ener­gie­steu­er im Ent­las­tungs­pa­ket kön­ne eine Chan­ce sein, „Leh­ren für die Zukunft zu zie­hen”. Auf Kri­tik stößt bei Rei­ni­cke dage­gen, dass die höhe­re Pend­ler­pau­scha­le nur für die ein­fa­che Fahrt gilt. „Für gewöhn­lich gehört zur Hin­fahrt ins Büro aber noch die Rück­fahrt nach Hau­se. Die Ent­las­tung wirkt also nur halb”, bemän­gel­te der ADAC-Prä­si­dent. Der ADAC hät­te sich zudem eine Erhö­hung ab dem ers­ten Kilo­me­ter gewünscht.

Der ADAC möch­te sich in Zukunft stär­ker als bis­her auf das Fahr­rad kon­zen­trie­ren – und auch sein Ange­bot für die Pan­nen­hil­fe für das Rad aus­wei­ten. „Die Rück­mel­dun­gen sind sehr posi­tiv. Wir wol­len das Pro­jekt aus­wei­ten, um auch für Mit­glie­der da zu sein, wenn sie mit dem Fahr­rad unter­wegs sind”, sag­te Rei­ni­cke mit Ver­weis auf ein Pilot­pro­jekt zur Fahr­rad-Pan­nen­hil­fe in der Metro­pol­re­gi­on Ber­lin-Bran­den­burg. 400 Men­schen hät­ten seit dem Start des Pro­jekts im ver­gan­ge­nen Juni das Ange­bot der Pan­nen­hil­fe für das Fahr­rad genutzt. Für den ADAC sei­en sol­che neu­en Ange­bo­te auch für die Zukunfts­fä­hig­keit des Ver­eins rele­vant, erläu­ter­te Rei­ni­cke: „Die Pan­nen­hil­fe ist die bekann­tes­te Hil­fe­leis­tung des ADAC, die aber lang­fris­tig mög­li­cher­wei­se mit immer zuver­läs­si­ge­ren Autos, ins­be­son­de­re bei E‑Pkw, weni­ger nach­ge­fragt wird. Des­halb stel­len wir unser Ange­bot brei­ter auf, um für unse­re Mit­glie­der wei­ter­hin als Hel­fer da zu sein.” Zu sol­chen Ange­bo­ten zähl­ten etwa auch Schlüsselnotdienste.

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