Deut­sche Bahn: Rech­net mit Feri­en­boom trotz Passagierschwund

ICE - Bahngleise - Deutsche BahnFoto: Ein ICE der deutschen Bahn, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Die Deut­sche Bahn berei­tet sich in Deutsch­land auf einen Rekord­som­mer im Rei­se­ver­kehr vor.

Das berich­tet der „Spie­gel” in sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be. Zehn­tau­send zusätz­li­che Plät­ze auf Stre­cken zu typi­schen Feri­en­zie­len habe das Staats­un­ter­neh­men ein­ge­plant. Damit reagie­ren die Ver­ant­wort­li­chen auf Markt­for­schung, mit der die Bahn die Stim­mung der Deut­schen nach mehr als einem Jahr Coro­na­pan­de­mie ergrün­den woll­te. Dem­nach sind Rei­sen mit 35 Pro­zent noch vor Restau­rant­be­su­chen (21 Pro­zent) und dem Tref­fen von Freun­den (14 Pro­zent) das, was die Men­schen nach­ho­len wol­len. Knapp ein Drit­tel plant einen Urlaub in Deutsch­land, ein Vier­tel zieht es ins euro­päi­sche Aus­land, sechs Pro­zent pla­nen gar eine Fern­rei­se. Spa­ni­en und Ita­li­en sind die bevor­zug­ten Desti­na­tio­nen. Es gehe ihnen um Erho­lung, Baden und Zeit im Krei­se von Freun­den und Ver­wand­ten, gaben die Umfra­ge­teil­neh­mer an.

Die Bahn ver­zeich­net schon vor Feri­en­be­ginn ein spür­ba­res Umsatz­plus, schreibt der „Spie­gel”. Der Ver­kauf nähe­re sich bereits dem Niveau vor Coro­na. Über die Flau­te­mo­na­te wäh­rend des Lock­downs hat­ten die Instand­set­zungs­be­trie­be suk­zes­si­ve die Kli­ma­an­la­gen gewar­tet. Die „Süd­deut­sche Zei­tung” berich­tet unter­des­sen in ihrer Sams­tag­aus­ga­be unter Beru­fung auf eige­ne Recher­chen, in den ers­ten Mona­ten sei­en die Pas­sa­gier­zah­len des Staats­kon­zerns regel­recht ein­ge­bro­chen. Im Fern­ver­kehr soll das Unter­neh­men mit 15,6 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren „per April” mehr als 50 Pro­zent weni­ger als im glei­chen Zeit­raum 2020 gezählt haben. Im Regio­nal­ver­kehr ging das Fahr­gast­auf­kom­men laut des Berichts eben­falls um gut 40 Pro­zent auf 278 Mil­lio­nen Rei­sen­de zurück.

Allein das Trans­port­auf­kom­men bei der Güter­bahn stieg leicht um fünf Pro­zent. Die Zie­le im Per­so­nen­ver­kehr für das Gesamt­jahr sei­en durch die „anhal­ten­den Coro­na-Ein­schrän­kun­gen in Gefahr”, heißt es in inter­nen Papie­ren, schreibt die SZ. Aus denen geht auch her­vor, dass die Pas­sa­gier­zah­len damit die bereits redu­zier­ten Plä­ne des Unter­neh­mens unterboten.

Auch die Pünkt­lich­keits­wer­te der Bahn fie­len zuletzt schwach aus. Mit 80,8 Pro­zent waren im Mai gera­de mal gut vier von fünf Zügen pünkt­lich – fünf Pro­zent weni­ger als im glei­chen Vor­jah­res­mo­nat. Bei der Güter­bahn kamen im Mai sogar nur 73 Pro­zent der Züge pünkt­lich ans Ziel – 13 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Bei der DB bah­nen sich wegen der schwa­chen Ent­wick­lung erneut tief­ro­te Zah­len in die­sem Geschäfts­jahr an. Bis Mai lag das Minus bei 1,5 Mil­li­ar­den Euro – und damit 170 Mil­lio­nen Euro höher als erwartet.

Insi­der gehen laut Bericht davon aus, dass die Bahn im Gesamt­jahr die erwar­te­ten Ver­lus­te von zwei Mil­li­ar­den Euro wohl noch über­tref­fen wird. Die schon jetzt rekord­ver­däch­tig hohen Schul­den von zuletzt 29,3 Mil­li­ar­den Euro sol­len bis 2023 zudem auf fast 32 Mil­li­ar­den Euro stei­gen und erst danach wie­der leicht sin­ken. Der Kon­zern woll­te die Zah­len am Frei­tag nicht kom­men­tie­ren. Den für den Som­mer erhoff­ten Nach­hol­ef­fekt will die Bahn auch mit „Mar­ke­ting- und betrieb­li­chen Maß­nah­men” fördern.

Die Bahn pla­ne „neue Ange­bo­te wie 10er Tages-Tickets”, um auf die „ver­än­der­te Nach­fra­ge im Pend­ler­seg­ment” zu reagie­ren, heißt es laut SZ in inter­nen Papie­ren. Aller­dings könn­te nicht nur ein erneu­ter Anstieg der Infek­ti­ons­zah­len, son­dern auch ein Streik der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL den Trend noch stop­pen. Zumin­dest auf lan­ge Sicht kön­nen Urlau­ber dafür auf neue Tras­sen hof­fen. Ab 2024 soll es etwa eine Direkt­ver­bin­dun­gen zwi­schen Ber­lin und Paris geben, ab 2026 auch zwi­schen Mün­chen und der fran­zö­si­schen Hauptstadt.

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