Deut­sche Post: Neue Kla­gen gegen das Brief­por­to erwartet

Postbriefkasten - Deutsche Post - Gelb - ÖffentlichkeitFoto: Postbriefkästen der Deutsche Post, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Im Tau­zie­hen um ihr Brief­por­to droht der Deut­schen Post neu­er Ärger von der Konkurrenz.

Nach­dem sich die Bun­des­re­gie­rung an die Sei­te des Bon­ner Kon­zerns geschla­gen hat, wol­len Kon­kur­ren­ten nun mit Hil­fe der EU eine Sen­kung der Brief­prei­se erzwin­gen. Der Ber­li­ner Plan für eine Reform des Post­ge­set­zes „ver­stößt gegen zen­tra­le EU-Vor­ga­ben aus der Post-Richt­li­nie und dem Bei­hil­fen­recht. Wir berei­ten uns des­halb auf wei­te­re juris­ti­sche Schrit­te vor, um die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ein­zu­schal­ten”, sag­te Mar­tin Bos­sel­mann, Vor­sit­zen­der des Paket­ver­ban­des Biek, der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung”. Der Ver­band ver­tritt gro­ße Paket­diens­te, dar­un­ter UPS, Her­mes, DPD und GLS.

Zwei deut­sche Gerich­te haben das Ver­fah­ren für die Por­to­ge­neh­mi­gung bereits als rechts­wid­rig ein­ge­stuft. Nun soll aber eine vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ange­sto­ße­ne Post­no­vel­le den Sta­tus-Quo absi­chern und künf­ti­ge Por­to­er­hö­hun­gen erleich­tern. Die Paket­kon­kur­renz befürch­tet eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung. Mit der geplan­ten Rege­lung könn­ten Kos­ten der Paket­zu­stel­lung dem Brief­ge­schäft zuge­ord­net und über die Brief­prei­se finan­ziert wer­den. „Das ver­zerrt den Wett­be­werb und ist eine ver­bo­te­ne staat­li­che Sub­ven­ti­on”, sag­te Bos­sel­mann. Auch Groß­kun­den der Post weh­ren sich gegen die hohe Portorechnung.

Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te die Regeln für die Port­obe­rech­nung im Post­ge­setz geän­dert. Mit dem neu­en Ver­fah­ren war das Por­to für die Jah­re 2019 bis 2021 auf 80 Cent her­auf­ge­schraubt wor­den. In die­sem Zeit­raum sol­len der Post nach Modell­rech­nun­gen womög­lich Zusatz­ge­win­ne von bald einer hal­ben Mil­li­ar­de Euro zuflie­ßen, schreibt die Zei­tung. Im Herbst muss neu ent­schie­den wer­den. „Wir wer­den gegen die nächs­te Ent­gelt­ge­neh­mi­gung, die auf der Grund­la­ge des neu­en Geset­zes erteilt wer­den wird, Kla­ge erhe­ben”, sag­te der Anwalt einer Ber­li­ner Kanz­lei der FAZ. Ziel sei es, eine Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes gegen das Post­ge­setz her­bei­zu­füh­ren. Nach Anga­ben der Kanz­lei wird der Post für die Brie­fe mehr als Drei­fa­che der durch­schnitt­li­chen Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te der DAX-Kon­zer­ne zuge­bil­ligt. Die­se Gewinn­ermitt­lung wider­spre­che der EU-Post-Richtlinie.

Bei einer Anhö­rung an die­sem Mon­tag wird sich der Wirt­schafts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges mit der Novel­le befas­sen. Die Regie­rung ver­schlep­pe die seit Lan­gem über­fäl­li­ge umfas­sen­de Post­re­form für mehr ech­ten Wett­be­werb, sag­te Rein­hard Hou­ben, wirt­schafts­po­li­ti­scher Spre­cher der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, der FAZ. Es gehe ihr jetzt nur dar­um, die „rechts­wid­ri­gen Por­to­er­hö­hun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re im Nach­hin­ein zu legi­ti­mie­ren”. Bis heu­te feh­le eine schlüs­si­ge Erklä­rung, war­um die Gewinn­mar­gen aus­län­di­scher Mono­po­lis­ten ein Maß­stab für die Gewinn­mar­ge der Post in Deutsch­land sein soll­ten. Die Zeche für die „Mani­pu­la­ti­on” zahl­ten Pri­vat­kun­den und klei­ne Unternehmen.

Schar­fe Kri­tik kommt von der Mono­pol­kom­mis­si­on, wel­che die Bun­des­re­gie­rung in Wett­be­werbs­fra­gen berät. Auch die zur Begrün­dung ange­führ­ten hohen Per­so­nal­kos­ten der Post und die wach­sen­de digi­ta­le Kon­kur­renz könn­ten die neu­en Regeln nicht recht­fer­ti­gen. Die Post habe 2020 wie­der Gewin­ne in Mil­li­ar­den­hö­he erzielt. „Eine Not­wen­dig­keit, den Kon­zern durch ein über­höh­tes Brief­por­to zu stüt­zen, lässt sich mit die­sen Geschäfts­zah­len kaum begrün­den”, heißt es in einer Stel­lung­nah­me ihres Vor­sit­zen­den Jür­gen Kühling.

Posi­tiv wer­tet er immer­hin, dass die Netz­agen­tur wirk­sa­me­re Instru­men­te zur Siche­rung des Wett­be­werbs an die Hand bekom­men soll. Auch die Ver­pflich­tung der Post, sich bei Strei­tig­kei­ten über beschä­dig­te oder ver­lo­re­ne Pake­te künf­tig an Schlich­tungs­ver­fah­ren zu betei­li­gen, sei ein rich­ti­ger Schritt. Ins­ge­samt aber blei­be die Novel­le hin­ter den Erwar­tun­gen und Mög­lich­kei­ten zurück. Die Chan­ce, einen „funk­tio­nie­ren­den Wett­be­werb” auf den Brief­märk­ten zu för­dern, wer­de vertan.

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