Poli­tik: Grü­ne-Poli­ti­ke­rin fin­det Akti­ons­tag für vega­ne Men­schen gut

Renate Künast - Grüne Politikerin - Ehemalige BundeslandwirtschaftsministerinFoto: Ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Die Grünen), Urheber: dts Nachrichtenagentur

Rena­te Kün­ast, Ex-Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin und heu­ti­ge ernäh­rungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, sieht die 2013 hef­tig umstrit­te­ne Idee des Veg­gie-Days vor dem Hin­ter­grund der heu­ti­gen Kli­ma­de­bat­te in einem etwas ande­ren Licht.

Ein Teil der Ver­ant­wor­tung dafür, dass der Vor­schlag so schief­ging, habe zwar tat­säch­lich bei den Grü­nen gele­gen, sag­te sie „Zeit-Online”. Aber sie und ihre Par­tei hät­ten sich „bei der eigent­lich guten Idee nicht so ins Bocks­horn jagen las­sen dürfen”.

Im Wahl­kampf 2013 hat­ten die Wäh­ler die Grü­nen unter ande­rem wegen ihrer Idee abge­straft, einen ver­bind­li­chen Veg­gie-Day für Kan­ti­nen ein­zu­füh­ren. Für die Kon­kur­renz sei das damals eine will­kom­me­ne Steil­vor­la­ge gewe­sen, „sich iso­liert dar­an abzu­ar­bei­ten”, sag­te Künast.

Das auf­ge­drück­te Image der Ver­bot­s­par­tei hät­ten die Grü­nen aber längst über­wun­den. „Der Atom­un­fall in Fuku­shi­ma und die Dür­re­som­mer haben gezeigt, dass man den Kli­ma­wan­del nicht mehr leug­nen kann. Inzwi­schen herrscht fast par­tei­über­grei­fend Kon­sens, dass wir uns ver­än­dern müssen.”

Auch der Erfolg von Bewe­gun­gen wie „Fri­days for Future” zei­ge, „dass man sich bei dem Ver­such, uns wei­ter­hin als Ver­bot­s­par­tei zu dekla­rie­ren, ver­schluckt hat”, sag­te die Grünen-Politikerin.

Kün­ast kri­ti­sier­te in die­sem Zusam­men­hang die Gro­ße Koali­ti­on, zu stark in Ein­zel­maß­nah­men zu den­ken und das gro­ße Gan­ze dabei aus den Augen zu ver­lie­ren. „Der­zeit über­bie­ten sich die Poli­ti­ker ande­rer Par­tei­en jede Woche mit neu­en Vor­schlä­gen – sei es das Plas­tik­tü­ten­ver­bot, ein Tier­wohl­la­bel oder die Fleisch­steu­er”, so Kün­ast. Das aber sei­en nur klei­ne und unzu­rei­chen­de Ein­zel­maß­nah­men. „Die alles ent­schei­den­de Fra­ge ist doch, wie viel Geld uns eine lebens­wer­te Zukunft wert ist und ob wir den Mut haben, die Steu­er­ein­nah­men künf­tig so umzu­lei­ten, dass sich struk­tu­rell wirk­lich etwas ändert.”

Die Poli­ti­ke­rin for­der­te die EU auf, alle Maß­nah­men abzu­schaf­fen, die in punc­to Kli­ma­wan­del „irr­sin­nig” sei­en: „Dass jedes neue EU-Mit­glied gezwun­gen wird, der euro­päi­schen Atom­ge­mein­schaft Eura­tom bei­zu­tre­ten, ist in Zei­ten der Ener­gie­wen­de eine Absur­di­tät”, sag­te sie. Es brau­che statt­des­sen eine Euro­päi­sche Uni­on für erneu­er­ba­re Ener­gien – zusam­men mit den Nach­bar­län­dern. Außer­dem for­dert sie, den Ein­satz von Pes­ti­zi­den in der Land­wirt­schaft end­gül­tig abzu­schaf­fen: „Es ist höchs­te Zeit.”

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