Wire­card: Ermitt­ler war­nen vor Risi­ko für Zeu­gen im Skandal

Wirecard - Hauptsitz - Einsteinring - AschheimFoto: Hauptsitz von Wirecard am Einsteinring (Aschheim)

Zwi­schen den Mit­glie­dern des Unter­su­chungs­aus­schus­ses und der Staats­an­walt­schaft besteht Unei­nig­keit über die Moda­li­tä­ten der Vernehmung.

Wäh­rend die Poli­ti­ker dar­auf bestehen, den inhaf­tier­ten frü­he­ren Wire­card-Chef Mar­kus Braun sowie zwei eben­falls in Unter­su­chungs­haft sit­zen­de Beschul­dig­te in der Aus­schuss-Sit­zung am kom­men­den Don­ners­tag per­sön­lich zu ver­neh­men, plä­die­ren die Ermitt­ler für eine Befra­gung per Video, berich­ten die „Süd­deut­sche Zei­tung” (Wochen­end­aus­ga­be), NDR und WDR unter Beru­fung auf eige­ne Informationen.

Die Gefahr einer Atta­cke durch „Drit­te” sei nicht aus­zu­schlie­ßen, argu­men­tiert die Staats­an­walt­schaft in einer E‑Mail an den Unter­su­chungs­aus­schuss, über die die Redak­tio­nen berich­ten. Die Ermitt­ler sor­gen sich ins­be­son­de­re um die Sicher­heit ihres ein­zi­gen Kron­zeu­gen, der eben­falls am kom­men­den Don­ners­tag ver­nom­men wer­den soll.

Als mög­li­che Gefahr sehen die Ermitt­ler das Umfeld des geflo­he­nen Ex-Wire­card-Vor­stands Jan Mar­sa­lek. Die­ser sol­le über „sehr gute Geheim­dienst­kon­tak­te in meh­re­re Län­der, ins­be­son­de­re nach Russ­land” ver­fü­gen. Daher sol­le die „Mög­lich­keit eines Ein­grei­fens von drit­ter Sei­te nicht unter­schätzt wer­den”. Zudem fürch­ten die Ermitt­ler, das Trio kön­ne im Umfeld der Sit­zung „unter­ein­an­der Kon­takt auf­neh­men und mög­li­cher­wei­se Aus­sa­gen abspre­chen”. Oder ver­su­chen, auf­ein­an­der Ein­fluss zu neh­men – vor allem auf den Kron­zeu­gen. Des­sen Bereit­schaft, wei­ter mit den Behör­den zusam­men­zu­ar­bei­ten, könn­te „durch Kon­takt mit bei­spiels­wei­se einem ehe­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten für die Zukunft erheb­lich lei­den”. Die Staats­an­walt­schaft warnt daher: „Unse­re Ermitt­lun­gen sind inso­weit mas­siv gefährdet”.

Die Par­la­men­ta­ri­er behar­ren den­noch, auch über die Par­tei­gren­zen hin­weg, auf einer per­sön­li­chen Befra­gung der beschul­dig­ten frü­he­ren Wire­card-Mana­gers. Man habe im Unter­su­chungs­aus­schuss die Beden­ken der Staats­an­walt­schaft sorg­fäl­tig geprüft. Gleich­wohl: „Eine per­sön­li­che Ver­neh­mung ist deut­lich effi­zi­en­ter als eine Schal­te”, sag­te Jens Zim­mer­mann den Redak­tio­nen. So sieht es auch die Uni­on. „Es kann nicht sein, dass wir bei unse­ren wich­tigs­ten Wire­card-Zeu­gen auf den per­sön­li­chen Ein­druck ver­zich­ten”, sag­te Mat­thi­as Hau­er der SZ, NDR und WDR. Auch die Obleu­te von FDP, Lin­ken und Grü­nen hal­ten dar­an fest, „dass eine Ver­neh­mung bei Anwe­sen­heit der Zeu­gen im Sit­zungs­saal erfor­der­lich ist”.

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