Ber­lin: Bun­des­tag beschließt neu­es Lieferkettengesetz

Container - Import - Export - Handel - SchiffFoto: Sicht auf Container, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der Bun­des­tag hat unter­neh­me­ri­sche Sorg­falts­pflich­ten in Lie­fer­ket­ten auf den Weg gebracht.

Das Gesetz wur­de am Frei­tag­mor­gen mit 412 Ja-Stim­men gegen 159 Nein-Stim­men ange­nom­men, 59 Abge­ord­ne­te ent­hiel­ten sich. Wie die Bun­des­re­gie­rung schreibt, wür­den in Han­del und der Pro­duk­ti­on regel­mä­ßig grund­le­gen­de Men­schen­rech­te ver­letzt und die Umwelt zer­stört. Mit dem „Gesetz­ent­wurf über die unter­neh­me­ri­schen Sorg­falts­pflich­ten in Lie­fer­ket­ten” will sie deut­sche Unter­neh­men des­halb ver­pflich­ten, ihrer glo­ba­len Ver­ant­wor­tung für die Ach­tung von Men­schen­rech­ten und Umwelt­stan­dards bes­ser nachzukommen.

Die Ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men soll sich nach dem Wil­len der Regie­rung künf­tig auf die gesam­te Lie­fer­ket­te erstre­cken, abge­stuft nach den Ein­fluss­mög­lich­kei­ten. Die Pflich­ten sol­len durch die Unter­neh­men in ihrem eige­nen Geschäfts­be­reich sowie gegen­über ihren unmit­tel­ba­ren Zulie­fe­rern umge­setzt wer­den. Mit­tel­ba­re Zulie­fe­rer sol­len eben­falls ein­be­zo­gen wer­den, sobald das Unter­neh­men von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen auf die­ser Ebe­ne „sub­stan­ti­ier­te Kennt­nis” erhält.

Das Gesetz soll auch kon­kre­ti­sie­ren, in wel­cher Form die Unter­neh­men ihre men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflicht erfül­len müs­sen. Die­se beinhal­te etwa die Ana­ly­se men­schen­recht­li­cher Risi­ken, das Ergrei­fen von Prä­ven­ti­ons- und Abhil­fe­maß­nah­men, die Schaf­fung von Beschwer­de­mög­lich­kei­ten sowie die Pflicht zum Bericht über die Akti­vi­tä­ten. Auch der Umwelt­schutz ist im Ent­wurf des Geset­zes erfasst, soweit Umwelt­ri­si­ken zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen füh­ren können.

Zudem ist geplant, umwelt­be­zo­ge­ne Pflich­ten zu eta­blie­ren, die sich aus zwei inter­na­tio­na­len Abkom­men zum Schutz vor den Gesund­heits- und Umwelt­ge­fah­ren durch Queck­sil­ber und lang­le­bi­ge orga­ni­sche Schad­stof­fe erge­ben. Der Aus­schuss für Arbeit und Sozia­les hat­te zuvor noch Ände­run­gen am Ent­wurf vor­ge­nom­men. So sol­len nun auch aus­län­di­sche Unter­neh­men mit Zweig­nie­der­las­sung oder Toch­ter­un­ter­neh­men in Deutsch­land ein­be­zo­gen wer­den. In die Mit­ar­bei­ter­zahl wer­den ins Aus­land ent­sand­te Beschäf­tig­te mit einbezogen.

Klar­ge­stellt wur­de auch, dass Unter­neh­men für Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen nicht über die bestehen­den Rege­lun­gen hin­aus zivil­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wer­den kön­nen. Umwelt­schutz­be­lan­ge wur­den durch Aspek­te zum Abfall­han­del erweitert.

Kri­tik kam im Vor­feld von der Deut­schen Umwelt­hil­fe: Das jetzt vor­ge­leg­te Gesetz sei „ein von Indus­trie­in­ter­es­sen weich­ge­spül­ter Mini­mal­kon­sens”, sag­te DUH-Geschäfts­füh­rer Sascha Mül­ler-Kra­en­ner. Die Wirt­schafts­ver­bän­de hät­ten zusam­men mit dem Wirt­schafts­flü­gel der Uni­on und Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er bis zuletzt star­ken Druck aus­ge­übt und das Gesetz mas­siv aus­ge­höhlt. „Damit hat Deutsch­land eine his­to­ri­sche Chan­ce ver­tan, die drän­gends­ten Umwelt­pro­ble­me unse­rer Zeit – Bio­di­ver­si­täts­ver­lust und Kli­ma­wan­del – im Gesetz zu ver­an­kern. Für Unter­neh­men, die Natur­zer­stö­rung in ihren Lie­fer­ket­ten in Kauf neh­men, wird sich mit dem Gesetz nur wenig ändern”, so Müller-Kraenner.

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