Bul­ga­ri­en: Lie­fer­te heim­lich Waf­fen und Die­sel an die Ukraine

Ukrainische Flagge - Figuren - Frau - UkraineFoto: Ukrainische Flagge an einer Figur, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Obwohl Bul­ga­ri­en offi­zi­ell über Mona­te Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne ver­wei­ger­te, hat die Regie­rung es über Zwi­schen­händ­ler geneh­migt und ermöglicht.

Zeit­wei­se deck­te Bul­ga­ri­en damit mehr als ein Drit­tel des ukrai­ni­schen Bedarfs. Das machen nun erst­mals Recher­chen der „Welt” (Mitt­wochs­aus­ga­be) öffent­lich. Dem­nach soll Kiew im April inof­fi­zi­ell Sofia um Hil­fe gebe­ten haben, weil der ukrai­ni­schen Armee sowohl die Muni­ti­on aus sowje­ti­scher Pro­duk­ti­on als auch der Treib­stoff bei­na­he aus­ge­gan­gen wäre. Mit die­ser ver­deck­ten Stra­te­gie setz­te sich der dama­li­ge Pre­mier Kiril Pet­kow über sei­nen Koali­ti­ons­part­ner, die Sozia­lis­ti­sche Par­tei, hin­weg, die direk­te Waf­fen­lie­fe­run­gen an Kiew strikt abge­lehnt hat­ten. Sowohl die Lie­fe­run­gen der Muni­ti­on als auch des Die­sels lie­fen nicht von Regie­rung zu Regie­rung, son­dern über zwi­schen­ge­schal­te­te Fir­men in Bul­ga­ri­en und im Aus­land; bei­des wur­de auf dem Luft- und Land­weg über Rumä­ni­en, Ungarn und Polen in die Ukrai­ne gebracht.

Das bestä­tig­te der dama­li­ge Regie­rungs­chef und heu­ti­ge Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker Kiril Pet­kow jetzt der „Welt”. Sei­ne Regie­rung habe Zwi­schen­händ­lern die Geneh­mi­gung zur Aus­fuhr erteilt. „Unse­re pri­va­te Mili­tär­in­dus­trie pro­du­zier­te auf Hoch­tou­ren”, sag­te er. „Wir schät­zen, dass rund ein Drit­tel der von der ukrai­ni­schen Armee benö­tig­ten Muni­ti­on in der frü­hen Pha­se des Krie­ges aus Bul­ga­ri­en kam”; so Pet­kow wei­ter. Beson­ders bri­sant: Der Die­sel, den Bul­ga­ri­en unbe­merkt von der Öffent­lich­keit lie­fer­te, wur­de aus rus­si­schem Roh­öl in der Raf­fi­ne­rie am Schwar­zen Meer gewon­nen, die damals zur rus­si­schen Fir­ma Lukoil gehör­te. Der dama­li­ge Finanz­mi­nis­ter Assen Was­si­lew sag­te der „Welt”: „Bul­ga­ri­en wur­de zu einem der größ­ten Expor­teu­re von Die­sel in die Ukrai­ne und deck­te zeit­wei­se 40 Pro­zent des ukrai­ni­schen Bedarfs”.

Die Regie­rung in Kiew bestä­tig­te auf „Welt”-Anfrage die Unter­stüt­zung. Der ukrai­ni­sche Außen­mi­nis­ter Dmy­t­ro Kule­ba sag­te, dass sei­nem Land im ver­gan­ge­nen April die Muni­ti­on aus­zu­ge­hen droh­te. „Wir wuss­ten, dass die bul­ga­ri­schen Lager­häu­ser über gro­ße Men­gen der benö­tig­ten Muni­ti­on ver­füg­ten, und so schick­te mich Prä­si­dent Selen­skyj, um durch diplo­ma­ti­sche Geschick­lich­keit das not­wen­di­ge Mate­ri­al zu beschaf­fen”, so Kule­ba. Es sei damals um „Leben und Tod” gegan­gen, sag­te er. Pet­kow habe Kule­ba dann zuge­si­chert, dass er „alles in sei­ner Macht Ste­hen­de” tun wer­de, obwohl sei­ne innen­po­li­ti­sche Lage „nicht ein­fach” sei. Es sei nicht um direk­te Lie­fe­run­gen gegan­gen, son­dern dar­um, „dass ukrai­ni­sche Unter­neh­men und Unter­neh­men aus NATO-Län­dern die Mög­lich­keit erhiel­ten, bei bul­ga­ri­schen Ver­käu­fern zu beschaf­fen, was benö­tigt wur­de”, so Kube­la. In der Fol­ge habe sich Kiril Pet­kow „als inte­ger erwie­sen, und ich wer­de ihm immer dank­bar sein, dass er sein gan­zes poli­ti­sches Geschick ein­ge­setzt hat, um eine Lösung zu fin­den”, sag­te Kule­ba. Die Geschich­te sei im Grun­de ein­fach: Wäh­rend sich eini­ge Mit­glie­der der bul­ga­ri­schen Koali­ti­on auf die Sei­te Russ­lands stell­ten, habe sich Pet­kow ent­schie­den, „auf der rich­ti­gen Sei­te der Geschich­te zu ste­hen und uns zu hel­fen, uns gegen einen viel stär­ke­ren Feind zu ver­tei­di­gen”, so Kuleba.

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