Poli­tik: Streit um Nen­nung von Natio­na­li­tät in Polizeiberichten

Polizei Köln Pressesprecher - Stadt Köln Pressestelle - Karneval 2018 - Rheingarten - Köln-AltstadtFoto: Pressesprecher und Pressestelle der Polizei/Stadt Köln am Rheingarten (Köln-Altstadt), Urheber: Polizei Köln

Der Vor­stoß des nord­rhein-west­fä­li­schen Innen­mi­nis­ters Her­bert Reul (CDU), künf­tig in Press­mit­tei­lun­gen die Natio­na­li­tät aller Tat­ver­däch­ti­gen zu nen­nen, stößt unter sei­nen Kol­le­gen auf ver­hal­te­ne Reaktionen.

So sag­te Nie­der­sach­sens Innen­mi­nis­ter Boris Pis­to­ri­us (SPD) der „Welt am Sonn­tag”: „Wenn es für den Sach­ver­halt und die Öffent­lich­keit rele­vant ist, nennt die nie­der­säch­si­sche Poli­zei die Natio­na­li­tät der Tat­ver­däch­ti­gen auch jetzt schon. Ich sehe über­haupt kei­nen Anlass dafür, das zu ändern.”

Die Natio­na­li­tä­ten der Tat­ver­däch­ti­gen grund­sätz­lich zu nen­nen, füh­re nicht zu mehr Trans­pa­renz, „gera­de wenn es für den geschil­der­ten Sach­ver­halt nicht rele­vant ist”. Pis­to­ri­us betont, wie wich­tig die Wah­rung der Per­sön­lich­keits­rech­te auch von Tat­ver­däch­ti­gen sei­en. Schließ­lich gel­te die Unschulds­ver­mu­tung. Unklar sei auch, wie man etwa mit Deut­schen tür­ki­scher Her­kunft oder Inha­bern meh­re­rer Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten umge­he. „Außer­dem ist aus unse­rer Sicht der Schutz der Opfer von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung, die mit­tel­bar betrof­fen sein kön­nen. Ich neh­me zur Kennt­nis, dass dies auch die Exper­ten von GdP und BdK so sehen”, so Pistorius.

Sein Kol­le­ge aus Baden-Würt­tem­berg, Innen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bl (CDU) ist auch eher zöger­lich, Reul in sei­nem Vor­stoß zu fol­gen. Der „Welt am Sonn­tag” sag­te Stro­bl: „Der­zeit nennt die Poli­zei Baden-Würt­tem­berg bei einer Straf­tat die Natio­na­li­tät eines mut­maß­li­chen Täters nur bei einem begrün­de­ten öffent­li­chen Inter­es­se oder wenn es zum Ver­ständ­nis eines Sach­ver­hal­tes erfor­der­lich ist, also wenn die Natio­na­li­tät zum Bei­spiel in Zusam­men­hang mit der Straf­tat steht.”

Die Ent­schei­dung dar­über, ob die Natio­na­li­tät genannt wer­de, läge bei den Pres­se­stel­len der Poli­zei­prä­si­di­en. „Grund­la­ge hier­für ist der Pres­se­ko­dex des Deut­schen Pres­se­ra­tes, bei dem sich klu­ge und kun­di­ge Fach­leu­te sehr tief­ge­hend mit der Fra­ge beschäf­tigt haben.”

Stro­bl kün­dig­te aller­dings sei­ne Bereit­schaft an, die eige­ne Arbeits­wei­se erneut zu über­prü­fen. „So wie es gute Grün­de für die bis­he­ri­ge Ver­fah­rens­wei­se gibt, gibt es frei­lich auch Grün­de, die Pra­xis umzu­stel­len. Dies soll­te dann aber gut abge­wo­gen wer­den und dies soll­ten die Bun­des­län­der abge­stimmt tun”, sag­te Stro­bl. „Ich rege daher an, das The­ma auf der nächs­ten Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz zu bespre­chen und wer­de das für die nächs­te IMK anmel­den. Ein Fli­cken­tep­pich bei so einer Fra­ge ist den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern nur schwer zu ver­mit­teln und trägt dann auch nicht zur Klä­rung des Sach­ver­halts und einer sach­li­chen Infor­ma­ti­on bei”, sag­te Stro­bl der „Welt am Sonntag”.

Vor­be­halt­los stimmt der Obmann der CDU/CSU im Innen­aus­schuss des Bun­des­ta­ges, Armin Schus­ter, dem Vor­stoß des nord­rhein-west­fä­li­schen Innen­mi­nis­ters zu. „Die­se Rege­lung ist rich­tig und soll­te schnell Nach­ah­mer fin­den”, sag­te Schus­ter der „Welt am Sonn­tag”. Damit wer­de Klar­heit geschaf­fen und Spe­ku­la­tio­nen oder Fake­News in den sozia­len Medi­en der Boden entzogen.

Auch Rai­ner Wendt, der Vor­sit­zen­den der Deut­schen Poli­zei­ge­werk­schaft, kann in Reuls Beschluss nur Gutes sehen. „Her­bert Reul nimmt die Poli­zei aus der Schuss­li­nie und gibt die Ver­ant­wor­tung dort­hin, wo sie hin­ge­hört, zu den Medi­en.” Die Vor­stel­lung, der Staat hal­te sei­ne Infor­ma­tio­nen zurück, obwohl dies tak­tisch nicht not­wen­dig ist, wür­de immer Spe­ku­la­tio­nen aus­lö­sen. Des­halb sei die Offen­si­ve zu begrüßen.

Die innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Ire­ne Miha­lic, hin­ge­gen warnt: „Eine sol­che Maß­nah­me heizt den Kreis­lauf von eth­nisch begrün­de­ten Zuschrei­bun­gen nur an und leis­tet kei­nen posi­ti­ven Bei­trag zur sach­li­chen Dar­stel­lung eines Falles.”

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