Ber­lin: Deut­lich weni­ger Abschie­bun­gen auf­grund Coronakrise

Flüchtlinge - Aufnahmestelle - Migranten - Asylbewerber - Bank - Bäume - HausFoto: Flüchtlinge an einer Aufnahmestelle, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Auf­grund der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie schiebt Deutsch­land deut­lich weni­ger aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der ab.

Von Janu­ar bis März 2020 führ­te die Bun­des­po­li­zei 4.827 Rück­füh­run­gen auf dem Land‑, See- oder Luft­weg durch. Das teil­te die Behör­de den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Sams­tags­aus­ga­ben) mit. Im gesam­ten Jahr 2019 waren es noch mehr als 22.000 Men­schen. Für April lie­gen laut der Sicher­heits­be­hör­de noch kei­ne Sta­tis­ti­ken vor. Aller­dings teil­te die Bun­des­po­li­zei mit, dass sie von März bis Ende April fast ein Vier­tel mehr „Stor­nie­run­gen von Rück­füh­rungs­er­su­chen” regis­trier­te als durch­schnitt­lich in den vier­zehn Mona­ten (Janu­ar 2019 bis Febru­ar 2020) zuvor.

Die Abbrü­che von lau­fen­den Abschie­bun­gen stie­gen dem­nach sogar um 41,8 Pro­zent, vor allem weil Flü­ge von den Flug­ge­sell­schaf­ten kurz­fris­tig gestri­chen wur­den. Zahl­rei­che Staa­ten wür­den auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie die Ein­rei­se von Per­so­nen aus dem Aus­land voll­stän­dig unter­sa­gen oder nur „unab­ding­ba­re, weni­ge Fall­kon­stel­la­tio­nen” zulas­sen, so die Bun­des­po­li­zei. „Von die­sen Aus­wir­kun­gen auf den glo­ba­len Per­so­nen­ver­kehr sind auch Rück­füh­run­gen betroffen”.

Auch eine Anfra­ge der Fun­ke-Zei­tun­gen an meh­re­re Bun­des­län­der zeigt: Nur noch in weni­gen Fäl­len schie­ben die Behör­den vor Ort aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der ab. Bay­ern schick­te im März nur vier Per­so­nen zurück, nach Paki­stan, Bul­ga­ri­en und zwei nach Lett­land, im April nur eine nach Schwe­den. Nord­rhein-West­fa­len schob im März noch knapp 300 abge­lehn­te Asyl­su­chen­de ab, zu April lie­gen laut der Lan­des­re­gie­rung noch kei­ne Zah­len vor.

Ein Abschie­be­flug mit 70 Per­so­nen nach Geor­gi­en Ende April muss­ten die Behör­den aller­dings nach eige­nen Anga­ben absa­gen. Hes­sen schob im März noch elf Per­so­nen ab, im April nie­man­den mehr. Ham­burg führ­te im April noch fünf pol­ni­sche Staats­bür­ger zurück, Baden-Würt­tem­berg im April nur eine Per­son nach Kroa­ti­en. Zudem sind die Bun­des­län­der nach eige­nen Anga­ben gezwun­gen, einen Teil der aus­rei­se­pflich­ti­gen Aus­län­der in Abschie­be­haft aus dem Gefäng­nis zu ent­las­sen, häu­fig weil unklar ist, wann sie in ihr Hei­mat­land gebracht wer­den können.

Nord­rhein-West­fa­len ent­ließ seit Mit­te März 81 Per­so­nen aus Abschie­be­haft, Baden-Würt­tem­berg 31, Ham­burg alle sie­ben Inhaf­tier­ten, Hes­sen zehn von 15 Abschie­be­häft­lin­gen, Nie­der­sach­sen sechs von sie­ben. Meh­re­re Bun­des­län­der gaben aus­drück­lich an, dass auch hier die Coro­na-Beschrän­kun­gen im Rei­se­ver­kehr der Grund für die Haft­ent­las­sun­gen sind. Die recht­li­chen Gren­zen für die Dau­er einer Abschie­be­haft sind eng, Abschie­be­haft ist kei­ne Haftstrafe.

Laut Sta­tis­tik müs­sen der­zeit mehr als 250.000 Aus­län­der das Land ver­las­sen, weil sie kein kein Visum oder kei­nen Schutz­sta­tus haben. Rund 200.000 die­ser aus­rei­se­pflich­ti­gen Per­so­nen sind jedoch zeit­wei­se in Deutsch­land gedul­det. Sie kön­nen nicht abge­scho­ben wer­den, weil Päs­se feh­len, ihnen Lebens­ge­fahr in der Hei­mat droht oder sie schwer erkrankt sind.

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