Grü­ne: Par­tei legen Akti­ons­plan gegen Gewalt an Frau­en vor

Frau - Smartphone - Telefonieren - ÖffentlichkeitFoto: Telefonierende Frau mit Smartphone in der Öffentlichkeit, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Die Grü­nen haben einen Akti­ons­plan zur Ein­däm­mung von Gewalt gegen Frau­en vorgelegt.

In dem Papier, über das die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Sonn­tag­aus­ga­ben) berich­ten, wer­fen sie Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer vor, geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen zu ver­nach­läs­si­gen. Es han­de­le sich nicht nur um ein gesell­schaft­li­ches, son­dern auch um ein sicher­heits­po­li­ti­sches Pro­blem: „Jeden drit­ten Tag tötet in Deutsch­land ein Mann sei­ne Part­ne­rin oder Ex-Part­ne­rin, das ist erschüt­ternd. Die Uni­on, die in Sachen Sicher­heit sonst gern den har­ten Hund gibt, muss sich die­ses The­mas dring­lichst anneh­men”, sag­te Grü­nen-Chef Robert Habeck den Funke-Zeitungen.

Habeck hat das Kon­zept­pa­pier gemein­sam mit der innen­po­li­ti­schen Spre­che­rin der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Ire­ne Miha­lic, ver­fasst. Dar­in wer­den See­hofer und die Innen­mi­nis­ter der Län­der auf­ge­for­dert, Frau­en­hass­kri­mi­na­li­tät bes­ser zu erfas­sen. Gewalt­ver­bre­chen, die aus Frau­en­hass began­gen wür­den, wür­den von den Kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Mel­de­diens­ten in Fäl­len poli­tisch moti­vier­ter Kri­mi­na­li­tät bis­lang nicht als eigen­stän­di­ger Punkt auf­ge­führt. „Frau­en­hass muss end­lich als Motiv unter Hass­kri­mi­na­li­tät in der Sta­tis­tik zu poli­tisch moti­vier­ter Kri­mi­na­li­tät erfasst wer­den. Auch eine ech­te Opfer­sta­tis­tik ist zwin­gend not­wen­dig”, sag­te die frü­he­re Poli­zei­be­am­tin Mihalic.

Außer­dem soll­ten die Län­der Son­der­de­zer­na­te für Hass­kri­mi­na­li­tät bei Staats­an­walt­schaf­ten ein­rich­ten. Auch sei­en Län­der­be­auf­trag­te für Hass­kri­mi­na­li­tät sinn­voll, um das Pro­blem­be­wusst­sein in Poli­zei und Jus­tiz zu schär­fen. Nach Anga­ben des Bun­des­kri­mi­nal­amts wur­den 2019 ins­ge­samt 245 Tötungs­de­lik­te an Frau­en began­gen, dar­un­ter 125 Mor­de und 120 Fäl­le von Tot­schlag. Bei 78 die­ser Mord­fäl­le gab es einen Bezug zu Ehe/Partnerschaft/Familie, beim Tot­schlag waren es 94 Fäl­le. Dazu kommt, dass min­des­tens jede drit­te Frau in ihrem Leben von Gewalt betrof­fen ist – von Kör­per­ver­let­zung, Ver­ge­wal­ti­gung, sexu­el­ler Nöti­gung, Bedro­hung, Stal­king oder Frei­heits­be­rau­bung. 38 Pro­zent der Taten spie­len sich unter Ex-Part­nern ab, 33 Pro­zent unter Ehe­leu­ten, 29 Pro­zent unter unver­hei­ra­te­ten Paa­ren. In mehr als der Hälf­te der 2019 ange­zeig­ten Fäl­le (50,5 Pro­zent) part­ner­schaft­li­cher Gewalt leb­ten Ver­däch­ti­ge und Opfer im glei­chen Haus­halt, so die BKA-Statistik.

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