Tür­kei: Grü­ne wol­len EU-Abkom­men unver­züg­lich beenden

Recep Tayyip Erdogan - Türkischer Politiker - Präsident - TürkeiFoto: Präsident der Türkischen Republik Recep Erdogan, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Vor dem EU-Gip­fel in die­ser Woche drän­gen die Grü­nen auf einen Aus­stieg aus dem EU-Türkei-Abkommen.

„Die­se asyl­rechts­wid­ri­ge Ver­ein­ba­rung muss sofort been­det wer­den”, sag­te die flücht­lings­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Lui­se Amts­berg dem „Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” (Mitt­woch­aus­ga­ben). Sie sei „Sinn­bild der geschei­ter­ten euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik der letz­ten fünf Jahre”.

In einem Antrag der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, über den die RND-Zei­tun­gen berich­ten, heißt es: „Mit der im Kern asyl­rechts­wid­ri­gen Ver­ein­ba­rung mit der Tür­kei hat die EU in Kauf genom­men, dass die Schutz­ver­ant­wor­tung für Geflüch­te­te allein der Tür­kei obliegt – einem Land, das mit zuneh­men­den Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen selbst Men­schen in die Flucht treibt”.

Amts­berg sag­te, ange­sichts der desas­trö­sen Lebens­be­din­gun­gen von Geflüch­te­ten auf den grie­chi­schen Inseln sei es zynisch, dass die Bun­des­re­gie­rung die EU-Tür­kei-Ver­ein­ba­rung immer noch als Erfolg ver­kau­fe. „Es bleibt wei­ter rich­tig und zen­tral, die Ver­sor­gung, Inte­gra­ti­on und Umsied­lung von geflüch­te­ten Men­schen in der Tür­kei finan­zi­ell zu unter­stüt­zen”, sag­te sie. Aber es sei igno­rant und men­schen­feind­lich, den tür­ki­schen Staats­prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdo­gan „zum Tür­ste­her Euro­pas zu machen”. Dies las­se außer Acht, dass auch mehr und mehr Tür­ken und Kur­den vor Erdo­gans Poli­tik flie­hen müssten.

Die Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on for­der­te die Bun­des­re­gie­rung auf, wei­te­re der der­zeit in Grie­chen­land oder Bos­ni­en befind­li­chen Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Ange­sichts der dra­ma­ti­schen Situa­ti­on von Schutz­su­chen­den an den euro­päi­schen Außen­gren­zen und der nach wie vor sto­cken­den EU-Ver­hand­lun­gen über eine gemein­sa­me Flücht­lings­po­li­tik „dür­fen die EU-Mit­glied­staa­ten und ins­be­son­de­re auch die Bun­des­re­gie­rung nicht län­ger auf eine gemein­sa­me euro­päi­sche Lösung war­ten”, heißt es in dem Frak­ti­ons­an­trag. „Solan­ge kei­ne Eini­gung in Sicht ist, muss die Bun­des­re­gie­rung eigen­stän­dig poli­ti­sche Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on von Geflüch­te­ten an den Außen­gren­zen ergreifen”.

Die Bun­des­re­gie­rung sol­le „die Auf­nah­me von beson­ders Schutz­be­dürf­ti­gen von den grie­chi­schen Inseln und von in Grie­chen­land schon aner­kann­ten Flücht­lin­gen über den April 2021 hin­aus min­des­tens in Höhe der von den Bun­des­län­dern und Kom­mu­nen ange­ge­be­nen frei­en Kapa­zi­tä­ten” fort­füh­ren, heißt es in dem Antrag wei­ter. Auch Fami­li­en­nach­zug müs­se ermög­licht werden.

Zudem sol­le die Regie­rung sich ent­schlie­ßen, in Bos­ni­en befind­li­chen Flücht­lin­gen mit Fami­li­en­be­zü­gen nach Deutsch­land „eine Ein­rei­se nach Deutsch­land zu ermög­li­chen”. Zudem müs­se die in die Kri­tik gera­te­ne EU-Grenz­schutz­be­hör­de Fron­tex bes­ser vom Par­la­ment kon­trol­liert wer­den kön­nen, for­dern die Grü­nen. Der Bun­des­tag brau­che einen ans Par­la­ment ange­kop­pel­ten unab­hän­gi­gen Poli­zei­be­auf­trag­ten, an den sich Poli­zei­be­am­te „im Fron­tex-Ein­satz bei Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wen­den kön­nen”. In Flücht­lings­la­gern in Bos­ni­en und Grie­chen­land sind die Unter­brin­gungs­zu­stän­de zum Teil prekär.

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