Ukrai­ne: Land wünscht deut­sche Rüstungslieferungen

Ukraine - Flaggen - Statuen - Gebäude - Fahne - FlaggeFoto: Die Flagge der Ukraine, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj wünscht von Deutsch­land Unter­stüt­zung durch Rüstungslieferungen.

„Deutsch­land hat uns kei­ne mili­tä­ri­sche Hil­fe geleis­tet, aber es könn­te das tun”, sag­te Selen­skyi der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung”. Die Ukrai­ne benö­ti­ge Rake­ten-Schnell­boo­te, Patrouil­len­boo­te, Sturm­ge­weh­re, Funk­aus­rüs­tung und gepan­zer­te Mili­tär­fahr­zeu­ge, sag­te Selen­skyj. Er sei Deutsch­land zwar dank­bar für die geleis­te­te Unter­stüt­zung, aber er habe sich mehr erhofft. „Habeck hat das ver­stan­den”, sag­te Selen­skyj im Hin­blick auf die Äuße­run­gen des Co-Vor­sit­zen­den der Grü­nen Robert Habeck, der nach einem Besuch in der Ukrai­ne vor einer Woche für die Lie­fe­rung von Defen­siv­waf­fen an das Land ein­ge­tre­ten war.

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent kri­ti­sier­te zudem das soge­nann­te „Nor­man­die-For­mat”, in dem Deutsch­land, Frank­reich, die Ukrai­ne und Russ­land über eine Lösung des Kon­flikts im Osten der Ukrai­ne reden: „Ich habe schon beim ers­ten Nor­man­die-Tref­fen ver­stan­den, dass wir uns wie Zir­kus­pfer­de im Kreis bewe­gen”. In die­sen Gesprä­chen gehe es „weder um die Krim oder Pipe­lines noch um Sicher­heits­ga­ran­tien”. In einem Tref­fen des Nor­man­die-For­mats auf Diplo­ma­ten­ebe­ne sei der Ver­tre­ter Deutsch­lands unlängst der Fra­ge aus­ge­wi­chen, ob Russ­land in die­sem Kon­flikt Par­tei sei. „Wir sind damit nicht ein­ver­stan­den, denn Russ­land ist in die­sem Kon­flikt natür­lich Par­tei. Das zeigt, wie Nor­man­die funktioniert.”

Selen­skyj for­der­te neue Sicher­heits­ga­ran­tien für die Ukrai­ne unter Betei­li­gung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und der EU. In Ber­lin stieß der Wunsch des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten nach Rüs­tungs­lie­fe­run­gen auf Ableh­nung. Der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­de der CDU/C­SU-Frak­ti­on, Johann Wade­phul, sag­te der FAZ: „Die sehr kon­kre­ten Wün­sche des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten zei­gen, wel­che Erwar­tun­gen die Grü­nen mit Habecks Ein­las­sun­gen erweckt haben. Es ist unver­ant­wort­lich, vage Waf­fen­lie­fe­run­gen ins Schau­fens­ter zu stel­len. Aus ukrai­ni­scher Sicht ist die For­de­rung nach die­sen spe­zi­fi­schen Waf­fen­sys­te­men nach­voll­zieh­bar”. Die grü­ne Füh­rung müs­se jetzt sagen, ob die­se „kon­kre­ten Wün­sche” mit dem über­ein­stimm­ten, was der Par­tei­vor­sit­zen­de Habeck „in Aus­sicht gestellt” habe.

Vor allem Kanz­ler­kan­di­da­tin Anna­le­na Baer­bock müs­se ihre Posi­ti­on klä­ren, „denn es droht die Gefahr, dass auf ukrai­ni­scher Sei­te wei­ter hohe Erwar­tun­gen erweckt wer­den, die dann auch von den Grü­nen ent­täuscht wür­den”. Der Kon­flikt im Don­bass wer­de sich nicht mili­tä­risch lösen las­sen: „Des­halb sind Waf­fen­lie­fe­run­gen in die­sem Fall der fal­sche Weg”, sag­te Wade­phul. Der Ver­tei­di­gungs­po­li­ti­ker der Grü­nen, Tobi­as Lind­ner sag­te, im Vor­der­grund des deut­schen Enga­ge­ments müs­se zwar „eine umfas­sen­de wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Sta­bi­li­sie­rung der Ukrai­ne ste­hen”. Doch kön­nen auch „Rüs­tungs­gü­ter hel­fen, die nicht offen­siv, son­dern nur zum Schutz der Men­schen ein­ge­setzt werden”.

Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Frak­ti­on im Bun­des­tag, Gabrie­la Hein­rich, lehn­te Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne kate­go­risch ab. Dadurch, so Hein­rich, wür­de Deutsch­land sei­ne Ver­mitt­ler­rol­le im Rah­men des Nor­man­die-For­mats ver­lie­ren. Die ver­tei­di­gungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann sag­te, es gebe kei­nen Grund, die­se Dis­kus­si­on jetzt zu füh­ren, „nur weil die Grü­nen sich ver­irr­lich­tert haben”.

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