Abschie­bung: 16.000 Men­schen in Deutsch­land mit Dul­dung Light

Flüchtlinge - Balkanroute - Bettlaken - Germany help - MenschenFoto: Flüchtlinge auf der Balkanroute, Urheber: dts Nachrichtenagentur

In Deutsch­land wer­den rund 16.000 aus­rei­se­pflich­ti­ge Aus­län­der mit unge­klär­ter Iden­ti­tät geduldet.

Gedul­det des­we­gen, weil sie ihre Abschie­bung durch feh­len­de oder fal­sche Anga­ben zu ihrer Her­kunft ver­hin­dern. Das geht aus der Ant­wort des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums auf eine Anfra­ge der Grü­nen-Abge­ord­ne­ten Filiz Polat her­vor, über wel­che die „Neue Osna­brü­cker Zei­tung” berich­tet. Zum Stich­tag 31. Janu­ar 2021 hat­ten dem­nach genau 16.084 Per­so­nen seit August 2019 den Sta­tus einer soge­nann­ten „Dul­dung light” bekom­men. Die drei häu­figs­ten Her­kunfts­län­der der Betrof­fe­nen waren Nige­ria (1.336 Per­so­nen), Indi­en (1.290) und Paki­stan (1.164).

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer hat­te das Gesetz zur bes­se­ren Durch­set­zung der Aus­rei­se­pflicht („Geord­ne­te-Rück­kehr-Gesetz”) initi­iert, es wur­de im August 2019 beschlos­sen und wird seit April 2020 ange­wen­det. Die Bun­des­län­der dür­fen die Umset­zung selbst gestal­ten. Der Gesetz­ge­ber möch­te damit aus­rei­se­pflich­ti­ge Per­so­nen sank­tio­nie­ren, die ihr Aus­rei­se­hin­der­nis selbst zu ver­tre­ten haben.

Polat, die auch Spre­che­rin für Migra­ti­ons­po­li­tik der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on ist, kri­ti­sier­te die­se Zah­len und sag­te der NOZ: „Mit der „Dul­dung light” hat die Bun­des­re­gie­rung bestimm­te Geflüch­te­te zu Men­schen drit­ter Klas­se degra­diert”. Den Betrof­fe­nen wer­de die Beschäf­ti­gungs­er­laub­nis ent­zo­gen, sie dürf­ten nicht arbei­ten, kei­ne Aus­bil­dung machen und erhiel­ten Hil­fe­leis­tun­gen, die unter­halb des garan­tier­ten men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums lägen: „Die sozia­le und gesell­schaft­li­che Pre­ka­ri­sie­rung die­ser Men­schen wird bewusst in Kauf genom­men”. Zudem hät­ten die Betrof­fe­nen eine Wohnsitzauflage.

Polat kri­ti­sier­te: „Das alles ist ver­fas­sungs­recht­lich hoch pro­ble­ma­tisch. Die Dul­dung light gehört daher abge­schafft”. Die Grü­nen hal­ten die Rege­lun­gen, wer eine „Dul­dung light” bekommt, für aus­ge­spro­chen schwam­mig. Die Aus­le­gung sei daher all­zu häu­fig von den ein­zel­nen kom­mu­na­len Behör­den oder den Bun­des­län­dern abhän­gig. „Das führt zu Rechts­un­si­cher­heit und im schlimms­ten Fall zu Will­kür”, so Polat.

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