Test­sta­tio­nen: Apo­the­ken und Haus­ärz­te sträu­ben sich

Apotheke - Logo - Gebäude - WandFoto: Sicht auf ein Apothekenlogo an einer Wand, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Haus­ärz­te und Apo­the­ken zei­gen nur gerin­ges Inter­es­se, sich an den geplan­ten Coro­na-Mas­sen­tests zu betei­li­gen und Test-Stütz­punkt zu werden.

„Anders als die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on haben wir kei­ne Sta­tis­ti­ken im War­te­zim­mer, son­dern Men­schen”, sag­te Ulrich Wei­geldt, Vor­sit­zen­der des Deut­schen Haus­ärz­te­ver­bands, der „Welt” (Don­ners­tag­aus­ga­be). Die­se Men­schen hät­ten Vor­rang, sie sei­en es, die die Ärz­te behan­deln müs­sen und wol­len. „Es ist daher nicht so ohne wei­te­res mög­lich, neben­her mal eben schnell zu tes­ten”. Natür­lich sei­en die Haus­ärz­te für ihre Stamm­pa­ti­en­ten da. „Aber die Pra­xen kön­nen nicht ein­fach jedem, der sich mal eben spon­tan tes­ten las­sen will, ein sol­ches Ange­bot machen. Dafür bräuch­ten sie ent­spre­chen­de Räu­me, Schutz­aus­rüs­tung und zusätz­li­ches Per­so­nal”, so der Ver­bands­chef. Das gebe es in vie­len Pra­xen nicht, „und des­halb wer­den die Pra­xen kaum einen Tag der offe­nen Tür machen und jeden tes­ten kön­nen, der das möchte”.

Wei­geldt schätzt, dass „viel­leicht zehn bis 15 Pro­zent der rund 50.000 Haus­arzt­pra­xen im Land Coro­na-Schnell­tests anbie­ten wer­den”. Auch die Apo­the­ken sind zurück­hal­tend. Sie argu­men­tie­ren ähn­lich wie die Ärz­te und ver­wei­sen dar­auf, dass Per­so­nal und Aus­stat­tung bereit­ge­hal­ten wer­den müss­ten. Der­zeit wür­den rund zehn Pro­zent der Apo­the­ken Schnell­test-Mög­lich­kei­ten anbie­ten, heißt es bei der Bun­des­ver­ei­ni­gung Deut­scher Apo­the­ker­ver­bän­de. Im Zuge der Test­ak­ti­on sei mit einer Betei­li­gung von etwa 20 bis 30 Pro­zent der Apo­the­ken zu rechnen.

Zudem ist die Auf­wands­ent­schä­di­gung gering: 15 Euro für die Durch­füh­rung und sechs Euro Sach­kos­ten­ent­schä­di­gung erstat­ten die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen, über die die Tests abge­rech­net wer­den. Das ist für vie­le kein Anreiz. „Die Hono­rie­rung ist ein Trau­er­spiel. Zu den fest­ge­leg­ten Sät­zen tes­ten, aus­wer­ten, ein Gespräch füh­ren sowie eine Beschei­ni­gung aus­stel­len ist nicht kos­ten­de­ckend”, kri­ti­siert Ärz­te­ver­bands­chef Weigeldt.

Die SPD-Frak­ti­on in Bun­des­tag erhöht der­weil den Druck auf die deut­sche Wirt­schaft, sich doch noch bin­dend zu Tests ihrer Beleg­schaf­ten zu ver­pflich­ten. „Die Arbeit­ge­ber soll­ten ein Inter­es­se an der Gesund­heit ihrer Beschäf­tig­ten haben und ein effek­ti­ves Test­re­gime ein­füh­ren. Damit leis­ten sie auch einen gesell­schaft­li­chen Bei­trag, um das Land und unse­re Wirt­schaft sicher durch die Kri­se zu brin­gen”, sag­te der par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Cars­ten Schnei­der, der „Welt”. Für den Fall, dass „die Arbeit­ge­ber die­ser gesell­schaft­li­chen Ver­pflich­tung nicht nach­kom­men, müs­sen wir uns eine ver­bind­li­che Rege­lung vorbehalten”.

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