Poli­tik: Arbeits­amt ver­han­delt mit Dritt­staa­ten über Saisonarbeiter

Baustelle - Haus - Gebäude - Kran - Arbeiter - Person - HausbauFoto: Sicht auf eine Baustelle, Urheber: dts Nachrichtenagentur

In der Bun­des­re­gie­rung gibt es kon­kre­te Plä­ne, den Arbeits­markt für Sai­son­ar­bei­ter aus Nicht-EU-Län­dern stär­ker zu öffnen.

„Die BA ver­han­delt gera­de im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les (BMAS) zusam­men mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL) Abspra­chen für die Sai­son­ar­beit in der Land­wirt­schaft mit ver­schie­de­nen Staa­ten, ins­be­son­de­re West­bal­kan”, teil­te die Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) der „Welt” (Mon­tag­aus­ga­be) mit. Auch mit ande­ren Län­dern, wie etwa Geor­gi­en, wür­den „inten­si­ve Gesprä­che” geführt.

Der Bedarf an Sai­son­ar­beits­kräf­ten in der Land­wirt­schaft sei „sehr hoch”, teil­te die Behör­de wei­ter mit. „Gera­de auch ange­sichts der guten Arbeits­markt­la­ge in Deutsch­land und den eige­nen Bedar­fen an Sai­son­kräf­ten in den euro­päi­schen Nach­bar­län­dern kann die­ser nicht allein durch hei­mi­sche Poten­zia­le und Arbeits­kräf­te aus der EU gedeckt wer­den.” Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um habe „daher die BA beauf­tragt, ent­spre­chen­de Abspra­chen mit aus­ge­wähl­ten Dritt­staa­ten zu treffen”.

Mit einem Abschluss ers­ter Ver­ein­ba­run­gen sei „frü­hes­tens Anfang 2020” zu rech­nen. Es hand­le sich dabei „aus­schließ­lich um Ver­mitt­lungs­ab­spra­chen für Ern­te­hel­fer in der Land­wirt­schaft als Sai­son­be­schäf­tig­te”. Bis­lang gibt es für gering­qua­li­fi­zier­te Arbeits­kräf­te aus Dritt­staa­ten nur weni­ge Mög­lich­kei­ten, zu Arbeits­zwe­cken nach Deutsch­land zu kom­men. Das Fach­kräf­te­ein­wan­de­rungs­ge­setz, das am 1. März in Kraft tritt, legt den Fokus auf Aka­de­mi­ker und Per­so­nen mit abge­schlos­se­ner Berufsausbildung.

Der Deut­sche Bau­ern­ver­band begrüß­te die Ver­hand­lun­gen zur Sai­son­ar­beit. Für deut­sche Arbeit­neh­mer sei­en die „kör­per­lich teil­wei­se sehr anstren­gen­den Tätig­kei­ten wenig attrak­tiv”, sag­te Gene­ral­se­kre­tär Bern­hard Krüs­ken. „Der deut­sche Son­der­kul­tur­an­bau wird auch in Zukunft auf die Ern­te­tä­tig­kei­ten aus­län­di­scher Arbeit­neh­mer ange­wie­sen sein.”

Die Gewerk­schaft IG BAU bewer­te­te sol­che Abkom­men mit Dritt­staa­ten zurück­hal­tend. Eine Anwer­bung im Aus­land kom­me „als ergän­zen­der Schritt dann in Betracht, wenn das Ver­fah­ren ver­ant­wor­tungs­voll gestal­tet ist”, sag­te Bun­des­vor­sit­zen­der Robert Fei­ger. „Die IG BAU hat bei EU-Ent­sen­dun­gen sehr nega­ti­ve Erfah­run­gen gemacht. Dort fan­den sich immer wie­der Struk­tu­ren orga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät.” Er habe „Ver­ständ­nis für die For­de­rung nach einem sol­chen Abkom­men, das macht begrenzt auch Sinn”, sag­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Vor­sit­zen­de der FDP im Saar­land, Oli­ver Luksic.

Der Ver­kehrs- und Haus­halts­po­li­ti­ker füg­te hin­zu, man müs­se „aber mal fra­gen, ob man unter dem Stich­wort ‘För­dern und For­dern‘ nicht auch wie­der stär­ke­re Anrei­ze und Sank­tio­nen zur Auf­nah­me von Arbeit ansetzt”. So könn­ten laut Luk­sic „auch aner­kann­te Flücht­lin­ge bei der Ern­te ein­ge­setzt wer­den”, wenn­gleich dies im jet­zi­gen Sys­tem „für bei­de Sei­ten wenig Sinn” erge­be. Damit bezog sich der Libe­ra­le auf den ver­gleichs­wei­se gerin­gen Unter­schied zwi­schen dem Net­to­lohn etwa für einen Spar­gel­ste­cher und Sozialleistungen.

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