Tür­kei: Cem Özde­mir besteht auf Rei­se­war­nung für Türkei

Flagge - Türkei - rot-weiß - Fahnenmast - Fahne - MastFoto: Sicht auf die türkische Flagge an einem Fahnenmast, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der Grü­nen-Poli­ti­ker Cem Özde­mir hat davor gewarnt, dem Drän­gen der Tür­kei auf eine Auf­he­bung der Rei­se­war­nung nachzugeben.

„Coro­na-Rei­se­war­nun­gen sind in Deutsch­land kei­ne Ver­hand­lungs­mas­se für poli­ti­sche Deals – sie die­nen dem Gesund­heits­schutz, und das muss auch Prä­si­dent Erdo­gan begrei­fen”, sag­te der frü­he­re Grü­nen-Vor­sit­zen­de dem „Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” (Don­ners­tag­aus­ga­ben). „Die Rei­se­war­nung für die Tür­kei muss so lan­ge auf­recht­erhal­ten wer­den, wie die Tür­kei vom Robert-Koch-Insti­tut als Risi­ko­ge­biet aus­ge­wie­sen wird”, so Özde­mir. Es sei an der Tür­kei, dar­an etwas zu ändern: „Die Tür­kei ist in der Nach­weis­pflicht, dass sie aus­rei­chen­de Schutz­maß­nah­men gegen das Coro­na­vi­rus umsetzt”, sag­te er.

Bei ihrem für Don­ners­tag geplan­ten Tref­fen mit Ver­tre­tern der tür­ki­schen Regie­rung in Ber­lin müss­ten Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) die Men­schen­rechts­la­ge in dem Land anspre­chen. „Grund­sätz­lich gilt: Immer wenn die Bun­des­re­gie­rung sich mit Ver­tre­tern Anka­ras trifft, muss sie sich für die Frei­las­sung der dort zu Unrecht inhaf­tier­ten poli­ti­schen Gefan­ge­nen ein­set­zen”, for­der­te Özde­mir. Er nann­te es einen Skan­dal, „dass der NATO-Part­ner Tür­kei ein Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te igno­riert und Oppo­si­tio­nel­le wie Osman Kava­la wei­ter­hin Erdo­gans per­sön­li­che Gefan­ge­ne sind”, so der Grünen-Politiker.

Der Vor­sit­zen­de der Tür­ki­schen Gemein­de in Deutsch­land, Gökay Sofuo­g­lu, bekräf­tig­te hin­ge­gen sei­ne For­de­rung nach Rei­se­er­leich­te­run­gen für Deutsch­tür­ken. „Wir erwar­ten von der Bun­des­re­gie­rung, dass ihre Rei­se­richt­li­ni­en für die Tür­kei ein­zig auf dem Infek­ti­ons­ge­sche­hen vor Ort basie­ren und nicht als poli­ti­sches Druck­mit­tel ein­ge­setzt wer­den. Dazu muss die Tür­kei trans­pa­ren­te Infor­ma­tio­nen zur Aus­brei­tung des Virus lie­fern”, sag­te Sofuo­g­lu dem RND. In der deutsch­tür­ki­schen Com­mu­ni­ty herr­sche Unge­wiss­heit: „Der Druck ist groß. Uns errei­chen vie­le Anfra­gen ver­zwei­fel­ter Bür­ger.” Die Auf­recht­erhal­tung der Rei­se­war­nung durch die Bun­des­re­gie­rung erschei­ne ihnen nicht schlüs­sig ange­sichts der Locke­run­gen etwa für Chi­na. „Da liegt die Ver­mu­tung nahe, dass die Rei­se­war­nung für die Tür­kei poli­tisch moti­viert ist”, sag­te Sofuoglu.

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